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GESICHTER DER STADT - Denis Tahiri

"..die Menschen und Unternehmer dieser Stadt halten zusammen..."

Im Gespräch mit Denis Tahiri, Kundenberater bei der LVM Versicherungsagentur Fischer & Hauffe GmbH.

about Gera: "Hallo Denis, schön dass du Zeit gefunden hast. Erzähl uns doch mal kurz, wie deine Geschichte in Verbindung mit Gera aussieht."

Denis Tahiri: "Hallo .Wir flohen im August 1999 vor dem Kosovokrieg und hofften darauf, in Deutschland in Frieden leben zu können. Ganz am Anfang lebten wir in Hamburg. Später wurden wir von dort in ein Erstaufnahmelager nach Halbestadt geschickt. Nach Halbestadt kam Jena, wo wir eigentlich mitten im Wald lebten. Und dann zogen wir schließlich 2000 nach Gera. Meine erste Adresse in Gera war die Eisenbahnstraße 9, die damals ein ehemaliges Asylantenheim beherbergte. Ich glaube, inzwischen wurde es zu einem Studentenwohnheim umgebaut. Meine Biografie ist ganz klassisch: Schule, danach Ausbildung - die ich übrigens letztes Jahr erfolgreich abgeschlossen habe. Inzwischen habe ich sogar geheiratet und vor 8 Monaten beschenkte uns das Universum mit dem größten Geschenk: unser erstes Kind. Es ist eine ganz neue Herausforderung, Vater zu sein, aber ich stelle mich ihr gerne. Nun bin ich seit fast 20 Jahren in Deutschland. Und ich finde es nach wie vor wunderschön, in Gera zu leben. Von hier würde ich auch nie wieder wegziehen."

about Gera: "Wie siehst du die aktuelle Entwicklung Geras, auch im Vergleich zu den letzten Jahren?"

Denis Tahiri: "Man sieht wieder mehr jüngere Menschen in Gera. Zeitgleich wird in die Zukunft investiert, was man auch daran sehen kann, dass mehr Studentenheime gebaut werden.
Zugleich bedeutet das, dass immer mehr Geschäfte eröffnet werden, auch jetzt von der ausländischen Seite her. Ob’s jetzt in der Talstraße ist oder wo anders, man sieht halt neue Leute."

about Gera: "Es wird auf jeden Fall geschäftiger und lebendiger."

Denis Tahiri: "Ja genau."

about Gera: "Du bist ja im Grunde hier aufgewachsen, also ein Deutscher…?"

Denis Tahiri: "… wenn man das so sagen darf. Viele akzeptieren das ja nicht. Die sehen mich nicht als Deutschen."

about Gera: "Fühlst du dich „Deutsch“ oder pendelst du zwischen diesen beiden kulturellen Welten?"

Denis Tahiri: "Tatsächlich war ich vor 6 Wochen nach 19 Jahren zum ersten Mal wieder in meiner Heimat. Dort behandelte man mich wie einen Ausländer. Ich würde sagen, dass Deutschland inzwischen zu meiner richtigen Heimat geworden ist. Schließlich bin ich hier aufgewachsen und kenn’s gar nicht anders. Damit möchte ich nicht sagen, dass es mir im Kosovo nicht gefallen hat - aber ich fühle mich mit dieser Kultur weniger verbunden.
Ich fühle mich einfach Deutsch. Auch wenn andere es nicht so sehen, bei der WM bin ich immer für Deutschland."

about Gera: "Wenn du an deine Kindheit zurückdenkst, kamen da Probleme bezüglich der Integration auf?"

Denis Tahiri: "Das ging schon. Ab und zu wurde ich als „der Kanacke" abgestempelt, weil ich meistens der einzige Ausländer in meiner Klasse war. Aber das Zusammenleben nur mit Deutschen hat auch was Positives gehabt, man lernt die deutschen Werte kennen. Ansonsten würde ich nicht sagen, dass ich dabei irgendwelche Probleme hatte. An sich habe ich mich ja mit jedem gut verstanden."

about Gera: "Das ist schön zu hören. Doch wenn man auf die Wahlen in Gera schaut, entsteht der Eindruck, dass die eine oder andere Gruppe es nicht so tolerant sieht."

Denis Tahiri: "Schon möglich. Ich kann die Angst vor dem Unbekannten durchaus nachvollziehen.
Es ist normal, dass man erst mal auf Abstand geht, und abwartet, was passiert. Ich kenne viele, die eine solche Einstellung haben, doch die allgemeine Parole der Rechten à la „Ausländer sind scheiße“ finde ich nicht in Ordnung. Damit schert man alle über einen Kamm, obwohl man vermutlich nicht mal einen Ausländer wirklich kennt.
Andererseits interessieren sich auch viele Kollegen für meine Kultur und fragen, wie ich Ramadan in meinen Alltag integriere. Ich faste den Tag über, sprich kein Essen und Trinken bis abends."

about Gera: "Also spielen deine Herkunftswurzeln in deinem Leben trotzdem noch eine Rolle?"

Denis Tahiri: "Ich würde sagen, Religion ist immer das eine. Jeder muss das selbst für sich wissen. Bei mir „zuhause“ leben Christen und Muslime schon seit Jahren Seite an Seite, Probleme gab’s nie. Dass die Moschee neben der Kirche liegt, ist dort voll normal."

about Gera: "Man darf auch nicht immer nur von den Extremen ausgehen."

Denis Tahiri: "Mit denen, die Terror verbreiten, möchte ich gar nicht in Verbindung gebracht werden. Egal welcher Religion man angehört, das erste Gebot besagt, dass man nicht töten soll."

about Gera: "Und die, die es tun, haben es falsch verstanden."

Denis Tahiri: "Genau! Oder sie interpretieren die Gebote nach ihrem eigenen Willen. Mit der Religion an sich hat das aber nicht mehr viel zu tun."

about Gera: "Stimmen wir dir vollkommen zu. Stell dir vor, ein Neuzugezogener fragt dich, was man hier in Gera machen kann. Was würdest du ihm empfehlen?"

Denis Tahiri: "Hier in Gera könnte ich auf jeden Fall unsere Gaststätten empfehlen. Mir ist ein freundliches Ambiente sehr wichtig. Wenn ich griechisch essen möchte, schaue ich gerne beim Knossos Restaurant Gera oder im Restaurant Irodion."

about Gera: "Hast du noch andere Empfehlungen, abgesehen von Restaurants?"

Denis Tahiri: "Ich rauche ganz gerne Shishas. Zum Glück hat Gera auch einige Shishabars anzubieten. Meine liebsten sind Furat Shisha Bar und die Habibi Shisha Bar Gera, da gehe ich schon seit Jahren hin."

about Gera: "Wo siehst du Schwächen in Gera, die noch in der Zukunft bereinigt werden müssen?"

Denis Tahiri: "Meiner Meinung nach sollte es noch mehr Studienmöglichkeiten für die jungen Leute geben. Ich denke, dass damit das Hochschulstadt-Image unserer Stadt noch gepusht werden könnte.
Was mir so noch spontan einfällt, wäre, dass man die Straßen schneller sanieren könnte. In Gera gibt es noch zu viele Schlaglöcher."

about Gera: "Fehlt dir etwas Prägnantes, was du an anderen Städten sehr schätzt?"

Denis Tahiri: "Es wäre schön, wenn wir wieder ein Sommerbad hätten. Das würde mir ehrlich gesagt gefallen. Es ist zwar auch nicht unbedingt problematisch, nach Köstritz zum Sommerbad zu fahren, aber es wäre schön, wenn wir hier gleich eins hätten."

about Gera: Und in welchen Bereichen ist Gera so stark, dass unsere Stadt gut mit anderen Städten konkurrieren kann?"

Denis Tahiri: "Ich würde sagen, dass die Menschen und Unternehmer dieser Stadt wirklich versuchen, zusammen zu halten. Dass was ich bei anderen Städten gesehen habe, war eher so ein Gegeneinander. Die Unternehmer hier geben ihr bestmögliches, um die Stadt relativ weit vorne zu halten. Das beste Beispiel sieht man bei unserer schönen LVM-Arena Gera . Zu den EM’s und WM’s sind seit 2006 immer wieder die gleichen Sponsoren dabei, und es kommen immer wieder neue dazu. Im Endeffekt kostet eine solche Public Viewing Veranstaltung jedes Mal wieder viel Geld. Um große Gewinne zu erwirtschaften, tut man das nicht. Vielmehr ist es eine Geste, um den Bürgern der Stadt wieder etwas zurückzugeben. Unabhängig davon ob ich hier arbeite oder nicht: Ich war auch vor meiner LVM-Zeit gerne bei der LVM-Arena. Dadurch habe ich auch die Menschen, mit denen ich heute zusammen arbeite, gefunden. Und als Fußballfan ist es auch schön, sich dort zu treffen und sein Team anzufeuern. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl wirklich ungemein."

about Gera: "Was würdest du Gera gerne aus deiner Sicht mit auf dem Weg mitgeben?"

Denis Tahiri: "Es ändert sich nichts von heute auf morgen, wir brauchen einfach Zeit. Ich denke nach wie vor, dass Gera sich in den nächsten Jahren positiv verbessern wird. Klar ist die Stadt hoch verschuldet, aber wir sind auf einem besseren Weg. Wenn wir alle zusammen halten, können wir diese Stadt retten. Ich bin davon überzeugt, dass sie eines Tages wieder aufblühen wird - weil ich sie einfach liebe."